Was uns bewegt

  • Was heißt eigentlich wehrhafte Demokratie?

    Wie funktioniert ein Parteiverbotsverfahren? Welche rechtlichen Voraussetzungen gibt es, wer kann ein Verbotsverfahren beim Bundesverfassungsgericht anstoßen – und sollte man eine Partei überhaupt verbieten?

    Um diese und andere Fragen ging es am 10. Juni in der Erlöserkirche in Haltern. Als Referent war Prof. Andreas Fisahn von der Universität Bielefeld eingeladen. Die Veranstaltung wurde von den Grünen, dem Forum DRV und den OMAS GEGEN RECHTS in Haltern organisiert.

    Die Erlöserkirche war voll – das Interesse am Thema ist offensichtlich groß. Und auch bei der anschließenden offenen Diskussion wurde deutlich, dass sich viele Teilnehmende fragen: Wie kann eine Demokratie sich gegen antidemokratische Kräfte wehren?

    Auch Alternativen zu einem Parteiverbot wurden diskutiert, zum Beispiel der Ausschluss von der Parteienfinanzierung, oder der Entzug von Grundrechten für einzelne Personen, deren politisches Handeln nachweisbar darauf ausgerichtet ist, unserer Demokratie zu schaden.

    Unter dem Strich bleibt ein großes Maß an Ernüchterung, Skepsis und ernsthafte Zweifel am Handlungswillen der Politik. Nur die Regierung, der Bundestag oder der Bundesrat sind laut Grundgesetz berechtigt, ein Verbotsverfahren der in Teilen gesichert rechtsextremen AfD beim Bundesverfassungsgericht anzustoßen. Doch sie scheinen lieber abwarten zu wollen, ob der Trend bei den Wahlen sich nicht doch noch politisch umkehren lässt.

    Die Wahlprognosen sprechen eine andere Sprache. Für die kommenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werden für die AfD weitere Stimmenzuwächse erwartet, so dass sie die betreffenden Landesregierungen klar dominieren könnten. Und nach aktuellen Prognosen von infratest dimap sieht es sogar so aus, als ob die AfD bei der Bundestagswahl im Jahr 2029 stärkste Partei werden könnte.

    Wie wehrt sich die Demokratie dagegen?

    Gar nicht. Wehren müssen sich die Menschen. Die Demokratie ist nur eine von mehreren möglichen Organisationsformen eines Staates. Die Organisationsform wird von denen bestimmt, die in diesem Staat Einfluss haben und genügend Macht erlangen, um ihre Interessen durchsetzen zu können.

    Nur weil etwas „Demokratie“ genannt wird, garantiert es noch lange nicht das, was wir darunter verstehen: eine vielfältige, offene und diskussionsfreundliche Gesellschaft, die gleichberechtigte Teilhabe für alle und Schutz vor staatlicher Willkür sicherstellt. Auch autokratische Führer nennen ihre Staatsform gerne „Demokratie“ und lassen sich „demokratisch“ immer und immer wieder wählen, nachdem sie die Opposition unterdrückt, verfolgt und ausgeschaltet haben. Auch die AfD weist gerne darauf hin, dass sie ja demokratisch gewählt wird. Ihre Ziele aber sind nicht auf Demokratie ausgelegt, das zeigt ein Blick in die Wahlprogramme.

    Wenn wir also eine lebendige Demokratie wollen, dann dürfen wir nicht abwarten und hoffen, dass sich das schon irgendwie von selbst klären wird. Wer jetzt handeln muss, um sich gegen antidemokratische Kräfte zu wehren, das sind die Bürgerinnen und Bürger, Politikerinnen und Politiker, NGOs, Vereine, Kirchen, Familien, junge und alte Menschen. Auch Du und ich. Auch Ihr und wir.

    Denn auch das hat Prof. Andreas Fisahn in seinem Vortrag klar und deutlich ausgesprochen: Es ist notwendig, rechtsextreme und antidemokratische Kräfte in einer breiten Basis durch ausdauerndes zivilgesellschaftliches Handeln und Protest zu bekämpfen.

    Gefragt ist die Zivilgesellschaft. Wir können nicht darauf warten, dass die AfD so nett ist, sich von selbst zu erledigen. Sie strebt nach der Macht. Wenn wir uns wehren wollen, haben wir keine Zeit zu vertrödeln.

  • Verfriedlichtes Gedenken

    Wie soll man öffentlich an die Toten der beiden Weltkriege erinnern? An die zerschossenen Soldaten, Väter, Brüder und Söhne, und zugleich an die zivilen Opfer des Krieges, an die Menschen im offenen und heimlichen Widerstand, an die verfolgten und gequälten Menschen in den Lagern?

    Die Frage, wie man sich erinnert, wird überlagert von Fragen nach Schuld und Täterschaft. Wie kann man an einen Vorfahren erinnern, der ein überzeugter Soldat in der Wehrmacht war, der im Krieg Gewalt ausgeübt hat und ihr selbst zum Opfer fiel? Wie trauert man um ein Familienmitglied, ohne Schuld zu vertuschen oder sich nachträglich reinzuwaschen? Geht das überhaupt?

    Nachträglich angebrachte Tafel am Denkmal in Lippramsdorf. „Die Opfer der Kriege mahnen: Trauert um uns, wahrt Frieden und öffnet Eure Hände zur Versöhnung mit allen Völkern.“

    Was ist heute die angemessene Form für eine Gedenkfeier in Deutschland? Ein Schützenaufmarsch mit Fackelzug am Kriegerdenkmal, oder ein gewaltfreies Erinnern und Mahnen?

    Diese Frage stellt auch die Arbeitsgruppe Denk.Mal im Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt in Haltern am See.

    Jedes Jahr zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, findet die AG Denk.Mal neue, kreative Lösungen, um das Kriegerdenkmal in Lippramsdorf für ihre Gedenkfeier zu „verfriedlichen“, wie es Werner Nienhüser in seiner Moderation ausdrückt.

    Mal sind es Blumen, die dem angreifenden Soldaten statt der Waffe in die Hand gedrückt werden. Mal wird eine eigene Krieger-Skulptur aus Holz aufgestellt und während der Feier symbolisch vom Platz getragen. Mal steigen weiße Friedenstauben auf die Denkmalskrieger herab und setzen sich auf ihre Stahlhelme.

    In diesem Jahr am 8. Mai wurde das Denkmal mit einer weißen Plane verhüllt und verschnürt, wie für den behutsamen Abtransport.

    Verhülltes Denkmal in Lippramsdorf bei der Gedenkfeier am 8. Mai 2026 zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus

    Die Aktion ist sanft, sie fügt dem abgekämpften Krieger keinen Schaden zu – man denkt, er hat ja auch genug gelitten, hier seit 1938 zu stehen und ewig voranzupreschen, das muss doch sehr ermüdend sein? Die Aktion der AG Denk.Mal ist kein gewaltbrechender Akt, sondern eine sanfte Verfriedlichung. Der Krieger darf einpacken und gehen. Er soll Frieden finden.

    Die jährlichen Aktionen der AG Denk.Mal finden in der örtlichen Politik und den traditionellen Vereinen in Lippramsdorf und Haltern bisher kein Verständnis und auch keine Bereitschaft zum Gespräch. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten und Lösungsvorschläge, die man diskutieren könnte.

    Das ist dringend nötig. Denn schließlich: Lippramsdorf ist überall. Dieses Kriegerdenkmal ist nicht das einzige in Deutschland, das eine Verfriedlichung nötig hat.

    Die Frage bleibt, und sie war noch nie einfach: Wie gehen wir um mit deutscher Verantwortung und Erinnerung in einer Demokratie, die den Frieden suchen, aber dennoch nach innen und nach außen wehrhaft sein soll? In einer globalen Krisenlage, in der Kriege mit vielen Akteuren, autoritären Interessen und wechselnden Allianzen immer komplizierter werden?

    In der achtzigjährigen, demokratischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat sich das Gedenken gewandelt. Es wird Zeit, dass sich auch die Denkmäler wandeln. Die Vorschläge sind da. Lasst uns darüber sprechen.

    Mehr Infos:

  • 100.000 Unterschriften!

    Die ersten 100.000 Unterschriften sind erreicht für den Appell „AfD-Verbot jetzt“ in NRW!
    https://nrw-appell-afd-verbot.de/index.php/2026/05/12/schon-100-000-geknackt/

    Und die Aktion geht weiter.
    Du hast noch nicht unterschrieben? Dann aber schnell und hier:
    https://weact.campact.de/petitions/nrw-appell-afd-verbot-jetzt

    Wir appellieren an die Mitglieder des Landtags NRW und die Landesregierung NRW:
    Treten Sie dafür ein, dass der Bundesrat gemäß Art. 21 Abs. 2 Grundgesetz beim Bundesverfassungsgericht beantragt, ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD durchzuführen.